Jährlich 170.000 Existenzgründungen durch Migranten

Jährlich 170.000 Existenzgründungen durch Migranten

Jährlich gibt es in Deutschland rund 170.000 Existenzgründungen durch Migranten. Jeder fünfte Gründer ist demnach Ausländer oder eingebürgert. Dem Gründeranteil von 20 % steht ein Bevölkerungsanteil von 18 % gegenüber – Migranten sind also überdurchschnittlich gründungsaktiv. Ihre Gründerquote liegt mit 1,77 % (im mehrjährigen Durchschnitt) deutlich über der Gesamtquote von 1,60 %. Dies sind Ergebnisse einer Sonderauswertung des KfW-Gründungsmonitors, der repräsentativen Befragung zum Gründungsgeschehen in Deutschland.

„Migranten wagen überdurchschnittlich oft den Schritt in die Selbstständigkeit und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Gründungsgeschehen. Spannend ist, dass wir unter Migranten eine besonders hohe Gründungsneigung von Akademikern sehen“, sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe. Insgesamt liegt die Gründerquote von Akademikern im Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2015 bei 2,3 %, die von akademisch gebildeten Migranten hingegen bei 3,1 %. „Ein Hochschulabschluss geht bei Migranten außerdem mit einer geringeren Abbruchwahrscheinlichkeit einher. Bildung zahlt sich aus“, ergänzt Zeuner.

Migranten gründen nicht nur häufiger, sondern auch größer: Erstens starten Migranten ihre Selbständigkeit häufiger im Vollerwerb. Im Durchschnitt des betrachteten Zeitraums sind 42 % aller Gründungen in Deutschland Vollerwerbsgründungen, unter Migranten sind es hingegen 47 %. Zweitens investieren sie mehr Zeit in ihre Gründungsprojekte als ein Durchschnittsgründer – 3,2 Wochenstunden bzw. 11 % mehr. Drittens gründen Migranten seltener allein: Knapp die Hälfte gründet mit Mitarbeitern und/oder Teampartnern (48 % vs. 37 % bei allen Gründungen).

Bei der Analyse der Finanzierungsituation sind vergleichsweise wenig Unterschiede zwischen Migranten und der Gruppe aller Gründer zu erkennen: Der Anteil von Gründern mit externem Kapitalbedarf ist (mit 23 %) ebenso durchschnittlich wie die Größenordnung der Finanzierungsbeträge. Besonderheiten zeigen sich jedoch bei den verwendeten Finanzierungsquellen: Zum einen nutzen Migranten deutlich häufiger Mittel aus dem persönlichen Umfeld, beispielweise Geld von Familienmitgliedern oder Freunden. Zum anderen verwenden Migranten viel häufiger Dispositionskredite (29 % vs. 16 %) und im Gegenzug seltener Bankdarlehen (31 % vs. 38 %). „Die Tendenz zu teureren Überziehungskrediten kann ein Hinweis auf beschränkten Kreditzugang sein, zum Beispiel weil Sprachprobleme die Informationsbeschaffung oder die Kreditverhandlung erschweren“, sagt Dr. Zeuner.

Kehrseite der hohen Gründerquote von Migranten ist eine ebenfalls höhere Abbruchsquote. In den ersten zwei Jahren brechen 22 % der Gründer in Deutschland ihr Projekt wieder ab, unter den Migranten sind es 30 %. „Für das Abbruchrisiko von Existenzgründungen ist nicht die Staatsangehörigkeit der entscheidende Faktor“, sagt Dr. Zeuner. „Die Gründungsaktivitäten von Migranten sind noch stärker als ohnehin vom Arbeitsmarkt abhängig. Migranten gründen häufiger aus Mangel an Erwerbsalternativen – und brechen ihr Projekt dann eher wieder ab, wenn sich attraktive Jobmöglichkeiten bieten.“

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